Afrika, Afrika!

...aus dem Tschad

30August
2014

et pour la fin...

Liebe Freunde und Blog-Verfolger,

 

ich muss mich entschuldigen für meine lange Abwesenheit hier- und die größere Hälfte der Schuld schiebe ich aber in die Schuhe des Nerven raubenden Internet im Tschad, dass am Ende irgendwie immer schlechter wurde… deshalb habe ich mir den Ärger dann gespart beim Versuch, weitere Einträge zu verfassen.

 

In den letzten zwei Wochen vor meinem Abflug aber war nicht Schonfrist, sondern wir haben eine kleine Sommerferienschule für die Kinder unseres Dorfes, die sich auch ganz zahlreich und sehr erwartungsvoll und enthusiastisch eingeschrieben haben. Wir besetzten vier Klassenräume der Dorfschule, die erstmal entmüllt und ent-sandet werden mussten, und neue schwarze Farbe an die Tafel gebracht werden musste. Dann ging’s los. Ich habe die ‚Kleinsten’ übernommen, da ging die Altersspanne von 6-12 Jahren, nicht einfach bei so unterschiedlichen Niveaus: der eine kann gut rechnen, aber noch kein Wort Französisch, der andere nicht einmal fehlerfrei bis 10 zählen- weder auf Arabisch, noch auf Französisch. Viel Arbeit also! Jeden Morgen also warteten 26 Kinder auf ihre ‚Maitress’ Christina und Elodie, eine junge Tschaderin, die mit mir zusammen unterrichtete und die Klasse nach meinem Weggang weiterführte. Bewaffnet mit kleinen Tafeln und Kreide für jedes Kind nahmen wir also das kleine Ein-Mal-Eins und das französische Alphabet in Angriff.

     

 Seit gut drei Wochen bin ich wieder zurück, habe die tschadische Wärme verlassen. Zum Abschied habe ich dort eine Überraschungsparty bekommen, die mich einfach sprachlos gemacht hat- mein ganzer Chor ist extra gekommen, und andere Freunde, die ich mir im Laufe der Zeit machen durfte. Schaut mal, hier sind sie alle:

Jetzt ist es vorbei, das Fern-Sein tut weh, das Vermissen macht manchmal immer noch Bauchweh. Deutschland hat sich nicht sonderlich verändert, aber es ist plötzlich ganz komisch. Ich durfte so viel Herausforderung, Horizonterweiterung, Bereicherung erleben, ein Zuhause finden an einem Ort, in Menschen, vor einem Jahr noch Fremde waren…

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, sehe ich alles als ein riesiges, ganz ganz besonderes Geschenk an, dass Gott mir gemacht hat in all den Erfahrungen und Menschen, die ich jetzt unwiderruflich in meinem Herzen trage. So fühlt es sich an, wahrhaft 'gesegnet' zu sein!

28Juni
2014

Eine Trauerfeier

…durfte vor einigen Tagen miterleben. Ihr Lieben, so wie alles hier anders ist, so wird auch Trauer hier ganz anders ausgedrückt und es wird ganz anders mit ihr umgegangen.

So wie das ganze Leben hier eigentlich keine Privatsache ist, ist es auch der Tod nicht- er wird in Gemeinschaft verarbeitet. Er betrifft nicht nur die engsten Angehörigen, die in Intimität trauern, sondern wird zur öffentlichen Angelegenheit. So hat auch die Kirche die Feier organisiert und geplant. In der Predigt wurde dann erst einmal vor allen abergläubischen Vorstellungen wie Reinkarnation gewarnt, sondern erklärt, dass die Tote jetzt bei Gott ist. Und dann wurde ermahnt und aufgefordert, jeder solle darüber nachdenken, ob er weiß, wo er nach diesem Leben hingeht- quasi der Tod als Evangelisationsmethode- für uns nicht besonders ‚tröstend’, aber hier geht das.

Die Frau eines Ältesten aus unserer Gemeinde ist verstorben, und weil sie Diakonin und viel engagiert war, gab es heute eine riesige Bestattungsfeier. Ich schätze, es waren insgesamt 2000 Leute anwesend, alle anderen Gemeinden des Distrikts, viele Menschen, die die Verstorbene sicherlich nicht persönlich gekannt haben.

Stundenlang wurde gesungen, auf verschiedenen Sprachen, mit Rasseln, Trommeln, Tanzen, während jeder einzelne von diesen hunderten von Menschen am Sarg vorbeiging, um von der Toten Abschied zu nehmen, deren Gesicht durch eine Vitrine sichtbar war. Ich sah Tanzen und Lobpreis neben laut heulenden Menschen, vor allem Frauen, die ihre Trauer mit ausladenden Gesten der Hilflosigkeit ausdrücken- deshalb wurde während des Gottesdienstes mehrmals darauf hingewiesen, man möge seine Trauer bitte in Stille ausdrücken!

Das war wirklich komisch und für mich extrem gewöhnungsbedürftig! Getröstet wird hier, in dem man Gott lobt- und seinen Blick auf das ewige Leben richtet, das Hoffnung gibt. Wir haben Lieder gesungen, die davon sprechen, dass wir eines Tages im Himmel sein werden, und andere, dass man mutig weitergehen muss, auch wenn das Leben mühsam wird.

Bei dieser Form der Trauerverarbeitung besteht nicht die Gefahr, mit seinem Leid und Kummer allein zu bleiben.

24Mai
2014

Jetzt sicher, Zunkunft ungewiss

Ich möchte Euch von einer wirklich einmaligen Erfahrung erzählen, die ich machen durfte: Ein Freund von mir hat mich mitgenommen, ein Flüchtlingslager anzuschauen, welches auf der anderen Seite der Stadt liegt. Etwa 4000 Flüchtlinge, die aus Zentralafrika geflüchtet sind, sind hier in Unicef-Zelten untergebracht und warten nun darauf, wie es weitergeht. In Zentralafrika herrscht gerade Bürgerkrieg und vor allem Menschen tschadischen Ursprungs werden dort gerade verfolgt (die Gründe dazu liegen in der Vergangenheit dieser zwei Nachbarländer). Wir haben hier schon von ganz schrecklichen Geschichten gehört, die sich dort zur Zeit abspielen.

Eric engagiert sich ehrenamtlich und ist Koordinator eines ganzen Teams von jungen Freiwilligen, die täglich in das Camp fahren, um dort mit den Kindern zu spielen und sie für einen Moment alles ein bisschen vergessen zu lassen.

Ich muss sagen, das Camp wirkte auf mich weniger ‚traumatisierend’, als ich es mir vorgestellt hatte, es war sauber und friedlich. Nur in dieser Enge zu leben, ohne zu wissen, für wie lange noch und wie und wo es danach weitergeht- das stelle ich mir sehr schwierig vor. Solche, die noch Familie im Tschad haben, werden dort unterkommen können, viele aber, die schon seit zwei oder drei Generationen in Zentralafrika leben, haben hier keine Verwandten mehr und auch hier kein Zuhause.

Hier habt ihr ein paar Eindrücke.

    die Freiwilligen  viele Kinder haben im Krieg ihre Eltern verloren. Wie diese zwei Brüder, jetzt Vollweisen  Zelt an Zelt  manchen Zelten hat der Wind das Dach weggerissen.  kleiner Einkaufsladen innerhalb des Camps.

29April
2014

Update

Sooo, kleines Resümee der letzten Wochen.Die tschadischen Temperaturen sind inzwischen auf 43° im Schatten geklettert, und je mehr wir uns der Regenzeit nähern, desto feuchter wird die Luft und desto schwieriger auch, die Wärme zu ertragen… Deshalb schlafen wir auch schon längst draußen. Dazu braucht es nicht mehr als Natte und Kopfkissen- das ist sogar noch besser als mit einem Ventilator in meinem Zimmer, das einer Sauna in nichts nachsteht. Aber etwas absolut Schönes an dieser Zeit ist: es ist Mango-Hochsaison! Und weil man kaum noch hinweiß mit all den Mangos, haben wir Mangomarmelade daraus gemacht. Leider war ein Glas nicht dicht verschlossen und die Marmelade ist schlecht geworden, sodass wir ein paar Tage später einMangomarmeladen-Vulkanspektakel in unserer Küche hatten!:)

Mango, Mango, Mango  Mangovulkan!

Wenn ich ‚wir’ sage, spreche ich übrigens von Annatina und mir. Annatina ist vor drei Wochen aus der Schweiz gekommen und arbeitet in unserer Vorschule mit. Mit ihr teile ich jetzt die Küche, und wir finden immer wieder sprachliche Lustigkeiten: Statt ‚pi mal Daumen’ sagt sie im Schweizerdeutschen ‚pi mal Handgelenk’, und anstelle von ‚Nudeln’ ‚Teigwaren’ :D

Ich durfte außerdem 12 richtig schöne Tage mit meiner Mutter verbringen, die bei ihrer Ankunft erstmal einen Hitzeschock überleben musste… du Arme :) …und ihr alles das zeigen, was ich hier so liebe. Die Menschen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe, meine Freundin, bei der ich regelmäßig tschadisches Baguette kaufen gehe, unsere Gemeinde in Farcha, die aus Lehmmauern und Holzbänken besteht, und wo wir während des Gottesdienstes hin und wieder von einem Huhn begrüßt werden, das gerade hereinflattert. Alle waren sehr begeistert, meine Mutter zu kennenzulernen. Abakar, einer unserer arabischen Mitarbeiter, fragte mich, ob ich denn zu diesem Anlass kein Schlaf schlachten würde? Und bei Am Abuha wurde sie eindringlich gefragt, ob sie mich denn wirklich nicht an einen Tschader verheiraten möchte…                  Einmal wurden wir eingeladen und gab es ein richtiges Festessen, ihr zu Ehren:

vereint  Mummy und das Abenteuer ihres Lebens  let's party!

Und jetzt –endlich!- kann ich euch mal ein paar wenige Bilder von unserem Markt zeigen. Wir haben das OK der Frau bekommen, ein paar Fotos zu machen, mit der Bedingung, dass wir ihr einen Abzug vorbeibringen. Der Markt hier ist einfach superschön, geradezu ästhetisch (einmal vom Fleisch abgesehen, das immer von tausend Fliegen umschwirrt wird): Die Frauen, die getrockneten Fisch, Gemüse oder Obst verkaufen, andere, die große, voll beladene Plateaus auf dem Kopf tragen und auf dem Rücken ihr Kleinkind. Ich sage immer: Der Markt ist das Herz des Tschad. Da findet das Leben statt!

Hafer, Maismehl, Hirse,...  ...und ihre Verkäuferin  Zwiwwele

11April
2014

hair

Letztes Wochenende übrigens war es soweit, meine junge Freundin hat geheiratet! Ibrahim, ein Verwandter väterlicherseits, über 40 Jahre alt. Obwohl seine erste Frau eine Tagesreise weiter im Osten wohnt,  wird Am Abuha hier bleiben. Zum Glück!! Sie selbst war an der Hochzeit ganz unter einem Lafaille versteckt, ich habe an dem Tag nicht ihr Gesicht gesehen. Es war eine schöne Atmosphäre, die Mädchen haben getanzt.

Heute morgen hat Am Abuha mir die Haare geflochten. Es war goldig, als sie mich fragte, ob ihre Haare genauso werden würden wie meine, wenn sie mein Shampoo benutzen würde. :)                                                                                          Ich habe ihr währenddessen die Geschichte von Kain und Abel vorgelesen...

Meine kleine Halle Berry saß auch dabei :) kleine Halle Berry 

Endergebnis. Hab ein bisschen rumgespielt. Endergebnis

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